Kapitel 2: Prinzipien

für die Bildungswelt von morgen

Kapitel 2: Prinzipien

für die Bildungswelt von morgen

1. Kompetenzen für das 21. Jahrhundert

2. Resilienz und Selbstwirksamkeit

3. Diversität und Inklusion

4. Kultur der Führung und Verantwortung: Auf die Schulleitung kommt es an!

5. Agilität

Fazit Kompetenzen für die Zukunft

1. Kompetenzen für das 21. Jahrhundert

2. Resilienz und Selbstwirksamkeit

3. Diversität und Inklusion

4. Kultur der Führung und Verantwortung: Auf die Schulleitung kommt es an!

5. Agilität

Fazit Kompetenzen für die Zukunft

1. Kompetenzen für das 21. Jahrhundert

Wir leben in einer Epoche gleichzeitiger Krisen. Gesundheit, Klima, Migration und Globalisierung fordern unsere Gesellschaften heraus. Die Antwort auf die „Risikogesellschaft“ (Ulrich Beck) ist die „risikokompetente Gesellschaft“ (Gerd Gigerenzer). Risikokompetenz wird zur Voraussetzung, um in der Welt von morgen bestehen zu können, individuell wie gemeinschaftlich. Der Bildungsforscher Gigerenzer fordert ein „Curriculum der Risikokompetenz“ für Schulen mit den drei Themen Gesundheit, Finanzen und Digitales.³⁹ „Das Ziel ist eine neue Generation, die das Wissen und den Willen hat, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.“⁴⁰ In Zukunft kommt es auf ein Set von analogen und digitalen Kompetenzen an, die junge Menschen erwerben sollten. Neben den bekannten Grundkompetenzen Sprachen, Rechnen, Lesen und Schreiben, Geschichte, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Politik werden nach dem 4-K-Modell der Organisation „Partnership for 21st Century Learning“ in Zukunft vier analoge Kompetenzen wichtig: Kommunikation, Kreativität, kritisches Denken und Kollaboration. Kreativität ist die Kunst, Probleme zu lösen und steht für die Fähigkeit, auch quer zu denken. Kreative Schülerinnen und Schüler sind in der Lage, aus gewohnten Denkmustern und Normen auszubrechen und auf neue Ideen zu kommen. Kritisches Denken ist die Fähigkeit, eigenständig und vernetzt zu denken und ein Bewusstsein für globale Trends und Zusammenhänge zu entwickeln. Dazu gehört auch der Umgang mit falschen Informationen (Fake News) und sozialen Medien. Kollaboratives Lernen und Arbeiten in Teams ist zentral für das soziale Miteinander und das Erarbeiten von Wissen und Kompetenzen. Der Alltagsbezug und die Frage nach dem „Warum“ und „Wofür“ werden dabei wichtiger.

Wichtig bleiben die zentralen Kompetenzen wie Sprache, Mathematik und weitere Grundkompetenzen. Die Frage ist, wie wir beides – Umgang mit Digitalisierung und Stärkung dieser Kompetenzen – in Einklang bringen können.
image

Ludger Wößmann, ifo Institut

Die Kompetenzen, auf die es morgen ankommt, sind im Kern gar nicht so neu. Es geht um die Entwicklung des ganzen Menschen, der die Fähigkeit hat, mit anderen in eine sinnstiftende Beziehung zu treten und über eine Werteorientierung verfügt. Dazu gehört auch der Umgang mit Unsicherheit, die Fähigkeit zu Solidarität und die Fähigkeit, mit anderen gemeinsam die Gesellschaft auszugestalten.
image

Dirk Zorn, Bertelsmann-Stiftung

Der Europäische Referenzrahmen DigComp zählt zu den Kompetenzen, die in Schulen erworben werden sollten, außerdem die Auswahl von digitalen Tools, die Erstellung digitaler Inhalte und Datensicherheit.⁴¹ Immer wichtiger wird die aktive Nutzung digitaler Lernplattformen und Tools, etwa für die Kommunikation oder die Aufbereitung von Daten und Informationen. Zum zentralen Erfolgsfaktor für Lehrkräfte wie für Schüler wird dabei die Kompetenz, sich selbstbestimmt, sicher und kritisch mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Da die neuen Freiheiten und Möglichkeiten, die mit der Digitalisierung einhergehen, oft auch mehr Stress bedeuten, wird die Fähigkeit zur Selbstdisziplin und -organisierung immer wichtiger. Schule ist nicht nur ein Lern-, sondern auch ein Lebensort. Junge Menschen, die sich bewegen, Sport treiben, lesen und Musik machen, schneiden oft besser in der Schule ab.⁴² Demokratiebildung und das Erlernen von bürgerschaftlichem Engagement gehören ebenfalls zur Grundbildung an Schulen. „Citizenship Competence“ ist im Programm des Europäischen Rats „Key Competences for Lifelong Learning“ als eine von acht Schlüsselkompetenzen aufgeführt.⁴³ Das Erlernen demokratischer Kompetenzen gehört angesichts eines global erstarkenden Populismus und illiberaler Tendenzen zu den zentralen Aufgaben der Zukunft. Ziel ist dabei die Stärkung der politischen Teilhabefähigkeit der Lernenden in einer globalisierten und digitalisierten Welt. In der Bildungswelt von morgen werden Zukunftskompetenzen wie Spontanität, Kreativität, Teamwork, Problemlösungskompetenz und kritisches Denken wichtig.

Nicht jedes Kind muss Programmierer werden, aber es muss eine Grundbildung haben, wie ein Algorithmus, wie KI funktioniert und beurteilen können, was mit ihm selbst, aber auch mit seiner Umwelt passiert.
image

Astrid Aupperle, Microsoft

Die berufliche Normalbiografie wird immer weniger der Standard sein. Unsicherheit und Flexibilität im Umgang mit dieser werden zunehmen. Der Umgang mit Unsicherheit wird zur zentralen Herausforderung für die Schulen. Schulen sollten diese Entwicklung nicht als Bedrohung, sondern als Chance sehen.
image

Dagmar Wolf, Robert Bosch Stiftung

2. Resilienz und Selbstwirksamkeit

Den gemeinsamen Nenner der analogen und digitalen Kompetenzen bildet ein selbstbewusster Umgang mit Unsicherheit und Komplexität. Resilienz ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen. Entscheidend ist dabei nicht nur eine Kultur der Beweglichkeit und Offenheit mit Spielräumen, in denen Kreativität, Experimentierfreude und Innovation gedeihen können: Ebenso wichtig ist die Gewährleistung von Stabilität und Sicherheit. Zur Resilienz gehört auch das Prinzip der Selbstwirksamkeit: die Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen und dabei das eigene Gleichgewicht zu bewahren. Die eigene Zukunft wird von Umbrüchen geprägt sein, die Arbeits- und private Welt ändern sich regelmäßig. Zur Selbstwirksamkeit gehören Selbstvertrauen, Selbstreflexion und Selbstdisziplin.

3. Diversität und Inklusion

Globalisierung und Migration verändern den Alltag auch in den Schulen. Jedes dritte Kind, das heute eine Grundschule besucht, kommt aus einem Haushalt mit Migrationshintergrund. Mehrsprachigkeit, Internationalität und Globalisierung prägen den Alltag in den meisten Schulen. Der Umgang mit Diversität im Hinblick auf Alter, Geschlecht, Herkunft oder Kultur ist ein Schlüssel für innovative und kreative Organisationen. Ziel ist eine verantwortungsvolle, auf Vielfalt ausgerichtete Lernkultur. Um der zunehmenden sozialen Spaltung der Schülerschaft zu begegnen, kommt es künftig stärker auf die Integrationsleistung der Schulen an. Die Rahmenbedingungen sind so zu gestalten, dass sie jedem Einzelnen die Teilhabe ermöglichen. Nicht die Schülerinnen und Schüler müssen sich in das bestehende, starre System integrieren, sondern das System Schule muss dafür sorgen, dass alle Schülerinnen und Schüler mit ihren Fähigkeiten und Talenten am Unterricht teilnehmen können.

Es ist Aufgabe der Schulleitung, Schule zu einem Ort zu machen, wo Gemeinschaft seitens der Lehrer gelebt wird und Lehrer sich nicht als Einzelkämpfer verstehen, sondern als Teil eines Ganzen, das sie auch mitgestalten. Dafür muss Schulleitung den Rahmen schaffen und immer wieder die Diskussion führen, um Schule besser zu machen. Schule ist kein Selbstzweck.
image

Dagmar Wolf, Robert Bosch Stiftung

4. Kultur der Führung und Verantwortung: Auf die Schulleitung kommt es an!

Der Erfolg einer Schule ist abhängig von der Qualität des Unterrichts und der Motivation der Lehrkräfte. Schule braucht motivierte pädagogische Profis, welche einen methodisch-didaktisch guten Unterricht geben. Zum entscheidenden Faktor wird die Personal- und Organisationskultur – und diese Kultur kann nur entstehen und wachsen, wenn sie auch überzeugend vorgelebt wird. Eine zukunftsweisende Führungskultur in Schulen erlaubt Veränderung und bestärkt Lehrkräfte, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern eigene Wege zu gehen. Gute Schulen zeichnen sich durch Lehrkräfte aus, die andere dazu ermutigen und einladen, Schule mitzugestalten und mitzuentwickeln. Führung im Hinblick auf Schulentwicklung ist immer transformational. Die Bedeutung von pädagogischer Führung wird inzwischen anerkannt. Der Erfolg von Bildung hängt entscheidend von der Schulleitung ab. Die Qualität von Schulen wird maßgeblich von der Schulleitung bestimmt. Neben Lehrplänen und Unterricht ist die Schulleitung eine der drei Einflussfaktoren schulischer Qualität. Eine gemeinsame Vision, abgestimmte Ziele, ein modernes Qualitätsmanagement und ein exzellentes Unterrichtsangebot stehen dabei im Mittelpunkt der Anstrengungen. Voraussetzung ist Wissen darüber, wie Schulleitungen qualitätsvoll führen, was sie wirksam macht und wohin sich eine gelingende und zukunftsorientierte Schulleitung entwickeln soll.

Gerade der Umgang mit Niederlagen oder Fehlern ist in Deutschland zu wenig ausgeprägt. Der deutsche Drang zum Perfektionismus stoppt den Enthusiasmus des „einfach Ausprobierens“ leider noch zu oft.
image

Ulrike Friedrich, DIHK

5. Agilität

Nicht nur die Arbeits-, auch die Bildungswelt ist Teil der neuen „VUKA-Welt“. Ihre Merkmale der Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität fordern insbesondere von der Schulentwicklung, „Veränderung als Dauerzustand“ zu verstehen. Wenn Schulen in einer sich ändernden Gesellschaft noch relevant bleiben wollen, müssen sie sich ebenfalls ändern. Agilität ist die Fähigkeit, eine flexible und aktive Kultur der ständigen Verbesserung und der Innovationsbereitschaft zu entwickeln. Gemeint ist nicht „Dienst nach Vorschrift“, sondern Mut zu „kreativem Scheitern“. Agilität wird zum neuen Prinzip von Schulentwicklung. Schulentwicklung wird im digitalen Zeitalter angesichts von zunehmender Komplexität und Beschleunigung zur dauerhaften Aufgabe. Agile Führung ist jenseits von Routineabläufen und starren Strukturen dort nötig, wo Komplexität und hohe Dynamik herrschen. Ziel ist die Einbindung aller Akteure unabhängig von Hierarchien und Gremien über kreative Räume wie mehrtägige Klausuren zur Schulentwicklung. Agilität setzt nicht auf endgültige Lösungen, die es aufgrund der digitalen Veränderungsgeschwindigkeit nicht mehr gibt, sondern auf haltbare Zwischenlösungen.

Fazit: Kompetenzen für die Zukunft

Schüler brauchen soziale, emotionale, digitale und demokratische Kompetenzen. Die Kompetenzen werden zu Schul- und fächerübergreifenden Prinzipien, zum festen Bestandteil des Schulprofils und der Schul- und Unterrichtsentwicklung. Ein neues Programm „civic education“ („Lernen für Demokratie und Zivilgesellschaft“) umfasst Themen wie Debattieren, Konfliktlösung und bürgerschaftliches Engagement.